Barmag-Übernahme: strategische Überlegungen

Die geplante Übernahme von Barmag durch Rieter ebnet den Weg für ein neues, weltweit führendes Unternehmen für die Herstellung und Verarbeitung von Natur- und Chemiefasern mit Sitz in Winterthur, Schweiz. Durch die Erweiterung des Anwendungsspektrums ist Rieter ideal positioniert, um Chancen in expandierenden Märkten zu nutzen, resilientere Renditen zu generieren und zugleich einen Mehrwert für Kunden, Mitarbeitende, Aktionäre und die Gemeinden, in denen Rieter tätig ist, zu schaffen.

Mit der geplanten Übernahme von Barmag per Anfang Februar 2026, einem Weltmarktführer für Anlagen zur Herstellung von Chemiefasern, hat Rieter seine Wachstumsstrategie beschleunigt, um zum unangefochtenen Marktführer in der Textilmaschinenindustrie aufzusteigen mit einer starken Präsenz sowohl bei Natur- als auch bei Chemiefasern. Die Transaktion steht im Einklang mit der Strategie von Rieter und schliesst an frühere Übernahmen an, bei denen das Unternehmen sein Portfolio an Kurzstapelfasermaschinen ergänzt und seine Präsenz im Bereich Komponenten und Maschinen für die Chemiefaserproduktion ausgebaut hat.

Barmag umfasst die etablierten Produktmarken Barmag, Neumag und Nonwoven. Unter der Marke Barmag vertreibt das Unternehmen Spinnereisysteme und Texturiermaschinen für Filamentgarne. Neumag bietet Systeme für die Herstellung von Teppichgarnen sowie Anlagen für synthetische Stapelfaserproduktion und unter Barmag Nonwoven laufen Einzelmaschinen und schlüsselfertige Produktionslinien für Vliesstoffherstellung. Darüber hinaus offeriert das Unternehmen Engineering-Dienstleistungen und -Lösungen entlang der gesamten textilen Wertschöpfungskette. Barmag, Neumag und Nonwoven geniessen einen hervorragenden Ruf und verfügen über eine starke Marktstellung in China, Indien, der Türkei und den USA. Die innovativen und technologisch fortschrittlichen Produkte werden in Remscheid und Neumünster (Deutschland) sowie in Suzhou und Wuxi (China) entwickelt.

Angesichts des erwarteten Anstiegs des Faserverbrauchs wird davon ausgegangen, dass der Grossteil des Wachstums auf Chemiefasern entfällt – mit einer doppelt so hohen Wachstumsrate wie bei Naturfasern. Das Wachstum bei Naturfasern wie Baumwolle und Leinen unterliegt natürlichen Grenzen. Obwohl beide Fasermärkte zyklisch sind, werden die Unterschiede im zeitlichen Ablauf und in der Grössenordnung ihrer jeweiligen Zyklen einen wirksameren Schutz vor künftigen Marktschwankungen bieten. Mit dieser Übernahme tritt Rieter in komplementäre Technologien, Lösungen und Endmärkte mit attraktiven Wachstumsperspektiven ein.

Anwendungsspektrum von Chemiefasern

Ein wichtiger Vorteil dieser Transaktion ist die Diversifizierung der Endmarktanwendungen. Während der grösste Vorteil von Garnen auf Baumwollbasis die Haptik des Stoffes für die Anwendung bei Bekleidung ist, sind Produkte auf Basis von Chemiefasern in Bezug auf funktionelle Eigenschaften wie Festigkeit, Gewicht, Haltbarkeit und Kosten oft unübertroffen. Rieter ist vor allem in den Endmärkten für Mode- und Funktionsbekleidung tätig. Zusätzlich dazu deckt Barmag auch die Märkte für Bodenbeläge, Infrastruktur, Verpackung, Medizinprodukte und Filter ab, die zukünftig überdurchschnittlich wachsen dürften. Eine stärker diversifizierte Kundenbasis wird die Wachstumsambitionen des Unternehmens auf ein solideres Fundament stellen. Die Übernahme bedeutet eine wesentliche Verbesserung bei Skaleneffekten und Profitabilität.

Globale Reichweite und Endmärkte

Die kombinierte Plattform ermöglicht es Rieter, die Erholung der globalen Märkte für Filament- und Kurzstapelfaserspinnerei zu nutzen und die Zyklizität durch Diversifizierung der Endmärkte zu verringern. Die Übernahme stärkt die Position von Rieter in der wichtigen Region Asien-Pazifik weiter und bietet Zugang zur Filament-Expertise von Barmag, die dazu beitragen wird, die eigenen Fähigkeiten weiter auszubauen sowie Digitalisierungslösungen und Produktnachhaltigkeit zu verbessern.

Sowohl Rieter als auch Barmag sind Systemlieferanten und bieten den Kunden die gesamte Wertschöpfungskette in der Faserproduktion- sowie -verarbeitung, sowohl für Natur- als auch für Chemiefasern. Rieter ist bestens aufgestellt, um dem steigenden Bedarf an integrierten Lösungen für textile Anwendungen gerecht zu werden, unabhängig vom Ausgangsmaterial oder der Technologie. Auch Barmag setzt auf die Automation und Digitalisierung seiner Systeme. Gemeinsam mit Barmag wird Rieter seine Vision weiter vorantreiben, den gesamten Garnherstellungsprozess weiter zu digitalisieren und zu automatisieren sowie intelligente, vernetzte Fabriken zu schaffen.

Das Geschäft von Barmag wird durch starke Serviceorganisationen in den Schlüsselmärkten gestützt, die mithilfe von Digitalisierung und Automatisierung einen reibungslosen Betrieb der Produktionssysteme gewährleisten.