Aktionärsbrief

Sehr geehrte Aktionärin
Sehr geehrter Aktionär
Rieter hat per 2. Februar 2026 die Akquisition von Barmag erfolgreich abgeschlossen und einen wichtigen Meilenstein in der Neupositionierung des Unternehmens erreicht. Barmag wird als Division «Man-Made Fiber» in den Rieter-Konzern integriert. Mit dieser strategisch wegweisenden Übernahme erweitert Rieter sein Kerngeschäft gezielt über das Kurzstapelfasergeschäft hinaus. Damit wird Rieter zum Weltmarktführer entlang der gesamten Wertschöpfungskette für Natur- und Chemiefasern. Zudem baut Rieter als Systemanbieter seine Technologieführerschaft in den Bereichen Automation und Digitalisierung weiter aus.
Die Transaktion ist ein konsequenter Schritt in der Umsetzung der langfristigen Wachstumsstrategie von Rieter und baut auf früheren Akquisitionen auf, mit denen das Portfolio systematisch erweitert wurde. Seit der Übernahme der automatischen Spulmaschine im Geschäftsjahr 2021 ist Rieter der einzige Systemanbieter, der den gesamten Herstellungsprozess von der Faseraufbereitung bis hin zu allen vier Endspinntechnologien abdeckt.
Durch die Akquisition von Barmag erweitert Rieter seine Absatzmärkte um den strukturell wachsenden Chemiefasermarkt. Mit dieser zusätzlichen technologischen Breite erhöht Rieter seine Resilienz und reduziert die Abhängigkeit von zyklischen Schwankungen einzelner Endmärkte. Damit schafft Rieter die Voraussetzungen, um die erwartete Erholung des globalen Textilmaschinenmarktes erfolgreich zu nutzen. Gleichzeitig stärkt die Division «Man-Made Fiber» die Marktposition von Rieter in der strategisch bedeutenden Region Asien nachhaltig.
Bestellungseingang
Der Bestellungseingang konnte währungsbereinigt konstant gehalten werden. Dieser belief sich im Jahr 2025 auf 703.4 Mio. CHF (2024: 725.5 Mio. CHF). Die erwartete, breitere Markterholung ist aufgrund des globalen Handelskonflikts (insbesondere US-Strafzölle) und geopolitischen Unsicherheiten verschoben.
Die Division Machines & Systems verbuchte einen Bestellungseingang von 346.3 Mio. CHF (2024: 364.2 Mio. CHF). Machines & Systems verzeichnete zwar eine erhöhte Angebotsnachfrage, der Abschluss von Aufträgen wurde jedoch aufgrund der Ungewissheit bezüglich der Zolltarife und der geopolitischen und wirtschaftlichen Lage erheblich beeinträchtigt.
Die Division Components erzielte einen Bestellungseingang von 193.5 Mio. CHF (2024: 206.6 Mio. CHF) und leidet unter der geringeren Nachfrage nach Komponenten für Neumaschinen, hauptsächlich infolge der zurückhaltenden Investitionstätigkeit am Markt.
Die Division After Sales verzeichnete einen erfreulichen Anstieg des Bestellungseingangs von 6% auf 163.6 Mio. CHF (2024: 154.7 Mio. CHF). Dieser Zuwachs bestätigt die initiierten strategischen Wachstumsinitiativen. Der Auftragseingang profitiert von den verstärkten Vertriebsaktivitäten in den Zielmärkten, beispielsweise in Zentralasien und in China, sowie vom weiteren Ausbau des Service- und Reparaturnetzes.
Umsatz
Der Rieter-Konzern schloss das Geschäftsjahr 2025 mit einem Umsatz von 685.1 Mio. CHF (2024: 859.1 Mio. CHF) ab und blieb damit 20% unter der Vorjahresperiode.
Die Division Machines & Systems erreichte einen Umsatz in Höhe von 329.1 Mio. CHF, was gegenüber dem Vorjahreswert einem Rückgang von 23% entspricht (2024: 424.9 Mio. CHF). In der Division Components sank der Umsatz um 19% gegenüber dem Vorjahr auf 200.8 Mio. CHF (2024: 247.6 Mio. CHF). Die Division After Sales verbuchte mit 155.2 Mio. CHF einen um 17% tieferen Umsatz als im Vorjahr (2024: 186.6 Mio. CHF).
Bestellungsbestand
Das Unternehmen verfügte zum Jahresende 2025 über einen Bestellungsbestand von rund 510 Mio. CHF (31. Dezember 2024: 530 Mio. CHF).
Operatives EBIT, Reingewinn, Free Cashflow
Trotz des Umsatzrückgangs erzielte Rieter ein positives operatives EBIT (vor Restrukturierungs- und Transaktionskosten) in der Höhe von 2.5 Mio. CHF. Dies ist vor allem auf die konsequente Umsetzung von zusätzlichen Kostenmassnahmen zurückzuführen. Aufgrund ausserordentlicher Restrukturierungsaufwendungen sowie Transaktionskosten in Zusammenhang mit der Akquisition von Barmag in Höhe von total 54.2 Mio. CHF schloss Rieter das Geschäftsjahr 2025 mit einem Reinverlust von 63.4 Mio. CHF ab (2024: Reingewinn 10.4 Mio. CHF).
Der Free Cashflow lag bei -40.6 Mio. CHF (2024: 14.1 Mio. CHF). Aufgrund der bereits vollzogenen Kapitalerhöhung zur Akquisitionsfinanzierung von Barmag betrug die Nettoliquidität 184.3 Mio. CHF (2024: -230.3 Mio. CHF).
Die Eigenkapitalquote stieg zum 31. Dezember 2025 insbesondere aufgrund der im Oktober 2025 vollzogenen Kapitalerhöhung im Zusammenhang mit der Barmag-Akquisition auf 53.3% (Vorjahresstichtag 33.7%). Das Closing der Akquisition erfolgte am 2. Februar 2026.
Dividende
Der Verwaltungsrat schlägt den Aktionärinnen und Aktionären vor, aufgrund des negativen Konzernergebnisses auf die Ausschüttung einer Dividende zu verzichten. An der grundsätzlichen Dividendenpolitik einer Ausschüttung von mindestens 40% des Reingewinns hält das Unternehmen weiter fest.
Neue Mittelfristziele
Rieter verfolgt einen Soft-Integration-Ansatz für Barmag. In diesem Zusammenhang bestätigt Rieter eine vorläufige Synergieannahme von mindestens 20 Mio. CHF, die aus der Akquisition resultiert. Diese Synergien sind in den neuen Mittelfristzielen berücksichtigt. Ein Update zur Realisierung der Synergien wird mit dem Halbjahresabschluss 2026 bereitgestellt.
Rieter sieht über 2026 hinaus attraktives Potenzial für die kombinierte Einheit. Dafür hat das Unternehmen drei neue Marktszenarien nach erfolgreicher Realisierung der Synergien aus der Akquisition von Barmag definiert:
Low-Szenario
In einem verhaltenen Marktumfeld mit langsamer Nachfrageerholung und anhaltendem Preisdruck werden Umsätze von rund 1.4 Mrd. CHF erwartet, bei einer operativen EBIT-Marge von 2 bis 5%.
Mid-Szenario
In einem normalisierten Marktumfeld mit stabiler Nachfrage werden Umsätze von etwa 1.8 Mrd. CHF erwartet, bei einer operativen EBIT-Marge von 5 bis 8%.
High-Szenario
In einem starken Marktumfeld mit breit abgestützter Nachfrage und hoher Kapazitätsauslastung könnten die Umsätze 2.2 Mrd. CHF erreichen, bei einer operativen EBIT-Marge von 8 bis 11%.
Ausblick 2026
Im Übergangsjahr 2026 erwartet Rieter Umsätze im Bereich von 1.3 bis 1.5 Mrd. CHF.
Der Ausblick für 2026 reflektiert die Integration von Barmag sowie die im Jahr 2025 angekündigten und noch vollständig umzusetzenden Restrukturierungsmassnahmen. In der Folge wird eine positive operative EBIT-Marge im Bereich von 0 bis 3% erwartet. Die Finanzierung zur weiteren Entwicklung des kombinierten Unternehmens ist vollständig gesichert.
Dank
Für die erbrachten Leistungen und das tägliche Engagement in einem herausfordernden Umfeld möchte ich mich bei allen Mitarbeitenden ganz herzlich bedanken. Ich möchte Ihnen, liebe Aktionärinnen und Aktionäre, an dieser Stelle noch einmal unsere Wertschätzung für Ihr grosses Vertrauen und Ihre Unterstützung aussprechen. Ein Dankeschön gilt ebenfalls unseren Partnerinnen und Partnern für die konstruktive Zusammenarbeit sowie unseren Kundinnen und Kunden, die unseren Erfolg erst möglich machen.
Winterthur, 25. Februar 2026

Thomas Oetterli
Verwaltungsratspräsident und Chief Executive Officer